Über Mut

Über Cecil Rhodes, nach dem einst das Land Simbabwe benannt war, gibt es eine Geschichte, wie er in das Gebiet der Ndebele im heutigen Nationalpark Matopos reiste und dort unbewaffnet in den Kreis der impi, der Krieger, trat, um einen neuen Krieg zu verhindern. Er setzte damit sein Leben aufs Spiel, doch seine Mission schien ihm wohl groß genug, um dieses Risiko einzugehen.

Die wenigsten von uns müssen den Mut aufbringen, sich lebensgefährlichen Situationen zu stellen. Doch auch für lebenverändernde Situationen braucht es eine große Portion Courage.
Mut bedeutet nicht, fahrlässig zu handeln, die Risiken zu verleugnen. Zwischen Mut und Leichtsinn liegen Welten. Für Mut brauchen wir eine Vision, die uns die Kraft gibt, uns auch den Unwägbarkeiten zu stellen. Mut nimmt den Preis, der vielleicht zu zahlen ist, in Betracht, lässt sich davon aber nicht abhalten.

Oft verharren wir in der Furcht vor diesem Preis, in der Sicherheit des Status Quo oder der Überzeugung, es werde nicht gelingen, uns der Veränderung zu stellen. Wir lassen Gelegenheiten aus und vergessen unsere Träume. Wenn Menschen am Ende ihres Lebens erzählen, was sie bereuen, dann oft davon, wie ihnen in manchen Situationen der Mut fehlte - und wie sehr sie es bereuen.

Im Coaching nähern wir uns dem Mut mit System. Wir fragen nach Visionen, unerfüllten Lebenswünschen und Hoffnungen. Oft zeigt sich dann, dass Hindernisse nicht so unüberwindbar sind, wie wir glauben, der feste Blick auf ein Ziel uns auch die Kraft für holprige Wege gibt. 

Doch Coaching ist kein Zauber. Nicht jedem, der nach den Sternen greifen oder seinem Leben eine neue Richtung geben möchte, gelingt das. Doch auch das ist Mut: Sich dem zu stellen, dass man einer Chimäre hinterherjagte und womöglich in dem Leben, das man hat, geborgener und glücklicher ist.   

Und dann sind da andere, die Antworten darauf finden, wer sie sind, wer sie sein wollen, welchen Sinn ihr Leben haben soll  - und die aufbrechen auf neuen Wegen. Manchmal ist der Weg das Ziel. Manchmal ist es genug, kleiner Ziele zu erreichen. Doch immer ist es eine Bereicherung, in uns den Mut zu finden, anders zu denken und zu handeln. 
 

Über Leid

Ich kann es nicht mehr ertragen, höre ich zurzeit von vielen Menschen. Gemeint ist der Zustand der Welt und die Verunsicherung, die von der geopolitischen Zeitenwende ausgeht. Kriege, Krisen, Klimawandel, aufgeweichte Demokratien, das Infragestellen von Menschenrechten sowie eine Kultur der verachtungsvollen Umgangs erzeugen seelisches Leid. Wir leiden an der Welt, und wenn wir empathisch sind, leiden wir am Leid der Welt. 

Nun war die Welt schon immer ein Ort des Leid(en)s, und auch in der Moderne, als der eine Teil Wohlstand und Frieden aufbaute, litt der andere Teil noch immer über alle Maßen. Der Unterschied ist, dass wir heute über die sozialen Medien nahezu live da bei sind, wenn getötet und gestorben wird. Depressionen, Eskapismus, der Glaube an Verschwörungstheorien, die Hoffnung, die Komplexität der Welt möge sich durch populistische Lösungen entwirren, all das sind Ergebnisse dieses Leidens, das im sozialen Kontext nur selten Betrachtung findet.  
Seit Ihrer Entstehung hat sich die Soziologie mit den systemischen Formen des Leids beschäftigt. Armut, Unterdrückung, Maginalisierung, Ungleichheit und Katastrophen. Individuelles Leid wurde als Ergebnis von Sehnsüchten und Erwartungen definiert, und dafür waren die Psychologen und die Religionen zuständig, die dem Leid einen Sinn verliehen: Wachstum, innere Reife, Weisheit. Leiden. so die Erkenntnis, bilden den Charakter und machen uns stärker. 

So wahr das ist, wenn auch nicht für alle - am Leiden kann man auch zugrunde gehen - so schmerzhaft kann der Weg zu neuer Kraft sein, wenn wir das Leiden nicht anerkennen. 

Als Coach möchte ich meinen KlientInnen Klarheit über ihre Wünsche, Sehnsüchte und Möglichkeiten vermitteln. Im Mittelpunkt des Coachings stehen stets ihre Ressourcen und ein neuer Blick auf altgediente, aber nicht mehr taugliche Wahrnehmung. Zugleich aber möchte ich ihnen den Raum geben, ihr Leiden zu artikulieren, sei es an der Welt, an mangelnder Anerkennung, an der Frage nach dem Sinn, am Scheitern oder an der Vergänglichkeit. Nicht, um meine KlientInnen in ihrem Leiden zu bestärken, sondern um ihnen zu helfen, die Umgebung zu verstehen, in denen dieses entsteht. Denn die Ausprägungen von Selbst und Identität geschehen nicht im leeren Raum sondern nur im Gesamtzusammenhang der gesellschaftlichen Konditionen.